Sofort habe ich gemerkt, wie unangenehm mir dieser Fehler ist. Nicht nur ein bisschen unangenehm. Sondern dieses Gefühl, das mich innerlich richtig trifft. Oha!! Dieses „Das darf mir doch nicht passieren.“
Und genau das war wahrscheinlich die Herausforderung daran.
Der Fehler selbst ist weniger das Thema. Sondern der Moment, in dem mein eigenes Bild von mir plötzlich einen Riss bekommen hat. Denn natürlich habe ich ein anderes Bild von mir. Ich bin organisiert und achtsam. Mir passieren solche Dinge natürlich nicht. Zumindest war das immer meine Überzeugung.
Dann sitzte ich da und merke. Doch. Es ist passiert. Seitdem läuft in meinem Kopf dieses ständige Hin und Her. Spreche ich es direkt an? Versuche ich erst, es irgendwie selbst zu lösen? Wird es größer, wenn ich ehrlich bin? Oder noch schlimmer, wenn ich es nicht bin?
Gleichzeitig ist da auch Scham. Weil Fehler plötzlich etwas sehr Persönliches bekommen. Weil ich mich sich selbst anders sehen will. Kompetenter. Sicherer. Kontrollierter.
Schnell fange ich an, mich innerlich zu rechtfertigen. Wie ich nach Gründen suche. Nach Erklärungen. Vielleicht auch nach kleinen Ausreden, damit es sich nicht ganz so schlimm anfühlt. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir etwas anderes: Nicht der Fehler hat mich am meisten beschäftigt. Sondern die Angst, dass andere mich plötzlich anders sehen könnten.
Deshalb ist Ehrlichkeit manchmal so schwer. Weil ich in diesem Moment nicht nur einen Fehler zugebe. Sondern auch akzeptiere, dass das eigene Selbstbild nicht immer perfekt ist.
Trotzdem glaube ich inzwischen: Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass nie etwas schiefgeht. Sondern dadurch, wie wir damit umgehen, wenn es passiert.
