In meinen Trainings höre ich immer wieder eine ähnliche Rückmeldung von Führungskräften und IT-Spezialisten aus der Schweiz:
“Sobald das Gespräch auf Hochdeutsch wechselt, steigt der Stresspegel.”
Dafür gibt es gute Gründe. Wer im Alltag Schweizerdeutsch spricht, schaltet im Gespräch mit deutschen Geschäftspartnern in eine andere Sprachvariante um. Das verlangt Konzentration. Wörter werden bewusster gewählt, die Aussprache verändert sich und gleichzeitig läuft das eigentliche Fachgespräch weiter.
Kommt dann noch ein sehr hohes Sprechtempo hinzu – wie es viele Schweizer bei deutschen Gesprächspartnern wahrnehmen –, wird es schnell anspruchsvoll. Manche beschreiben besonders Gesprächspartner aus dem Rheinland oder dem Kölner Raum als ausgesprochen schnell und direkt. Das ist eine Wahrnehmung, die in Trainings immer wieder geschildert wird.
Während der eine bereits beim nächsten Thema angekommen ist, verarbeitet der andere noch den vorherigen Satz. Das kann Unsicherheit auslösen – obwohl fachlich alles verstanden wurde.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die deutsche Kommunikationskultur wird von vielen Menschen als direkter erlebt als die schweizerische. Wer gewohnt ist, Botschaften etwas behutsamer zu formulieren, empfindet diese Direktheit gelegentlich als überraschend oder sogar als Druck. Umgekehrt erleben viele Deutsche die schweizerische Art als angenehm ruhig und überlegt.
Internationale Kommunikation gelingt daher selten durch lauteres oder schnelleres Sprechen. Sie gelingt, wenn beide Seiten ihr Tempo dem Gespräch anpassen. Das heißt kurze Denkpausen zulassen und aufmerksam wahrnehmen, wie das Gegenüber Informationen verarbeitet. Für mich ist das gelebte Toleranz.
