In meinen Trainings mit technisch geprägten Führungskräften erlebe ich immer wieder das gleiche Muster.
Viele Ingenieure, Controller oder Spezialisten werden Führungskraft, weil sie fachlich hervorragend sind. Sie können Probleme analysieren, Systeme verstehen und Lösungen entwickeln.
Doch genau diese Stärke wird in der Führung manchmal zum Problem. Ein großer Teil dieser Führungskräfte arbeitet ausschließlich auf der Sachebene. Es geht um Zahlen, Prozesse, Ergebnisse und Effizienz.
Was dabei häufig übersehen wird, Menschen funktionieren nicht wie Systeme. Kommunikation besteht nicht nur aus Informationen. Neben der Sachebene gibt es auch eine Beziehungsebene. Und genau diese Ebene entscheidet darüber, ob Menschen motiviert arbeiten oder innerlich kündigen.
In meinen Trainings kommt noch eine weitere Beobachtung dazu.
Es ist hörbar. Am Stimmklang lässt sich erstaunlich gut erkennen, ob jemand nur auf der Sachebene spricht. Wenn Führungskräfte ausschließlich Informationen transportieren wollen, klingt die Stimme oft nüchtern, kontrolliert und gleichförmig. Der Ton wirkt funktional, manchmal sogar distanziert. Für Informationen reicht das völlig. Sobald ich ein Team leite kommen weitere Aspekte hinzu. Wenn eine Beziehung entsteht, verändert sich auch der Klang der Stimme. Die Stimme wird lebendiger, variabler und wärmer. Interesse, Klarheit oder Wertschätzung werden dann nicht nur über Worte vermittelt, sondern über den Tonfall.
In Trainings provoziere ich an dieser Stelle bewusst eine Diskussion und sage einen Satz, der viele zunächst irritiert.
Man kann ein hervorragender Ingenieur sein und trotzdem eine schlechte Führungskraft.
Warum? Weil Führung keine Erweiterung der Fachkompetenz ist. Führung ist Beziehungsarbeit. Wer ein Team nur über Zahlen, Ziele und Prozesse führt, steuert vielleicht Projekte. Jedoch keine Menschen. Und genau das hört man. Die Reaktion in Trainings ist oft spannend. Viele technisch geprägte Führungskräfte beginnen dann zu reflektieren.
Wann habe ich zuletzt echtes Interesse an meinen Mitarbeitenden gezeigt? Wann habe ich zugehört statt sofort eine Lösung zu präsentieren? Wann habe ich erklärt, warum eine Entscheidung wichtig ist?
Hier startet ein umfangreicher Prozess. Hmm.…
