Interview mit Matthias Kirbs im PR-Journal „Es geht weniger um das Was, sondern mehr um das Wie“

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In der jüngsten Ausgabe des PR-Journals, das morgen herauskommt, interviewt mich ein Autor erstmals für das Blatt. Ich gebe es vorab hier heraus. Es beginnt so:

Bewegte Bilder spielen in den Medien eine immer größere Rolle. Für die Repräsentanten und Sprecher von Unternehmen heißt das: Sie müssen immer öfter vor die Kamera – für Statements, Präsentationen oder Interviews. Dabei überzeugend „rüberzukommen“, ist wichtig, fällt aber manchem schwer. Ein Interview mit Matthias Kirbs, Stimmtrainer und Sprech-Coach aus Hamburg.

PR-Journal: Herr Kirbs, ab welcher Unternehmensgröße sollten Firmensprecher oder CEOs Sprechtraining nehmen?

Matthias Kirbs: Das lässt sich nicht generell beantworten. Fakt ist, dass es in vielen Großunternehmen, die mehr oder weniger regelmäßig in der Öffentlichkeit stehen, längst üblich ist. Die Kommunikationsabteilungen der Konzerne wissen sehr genau, welche Wirkung ein guter oder schlechter Auftritt vor der Kamera haben kann. Sie können davon ausgehen, dass die meisten Chefs und Sprecher von Dax-Unternehmen auf diesem Gebiet geschult sind. Bei kleineren Unternehmen, die weniger im Fokus stehen, dürfte das jedoch weitaus seltener der Fall sein.

PR-Journal: Woran hapert es besonders häufig?

Matthias Kirbs: An der Vorbereitung. Mancher geht zu blauäugig an solche Termine heran und ist dann regelrecht schockiert, wenn harte oder gar unfaire Fragen kommen. Aber das muss noch nicht mal sein. Zurückhaltende Menschen tun sich vor einer laufenden Kamera sehr oft schwer, selbst wenn sie über gute Argumente verfügen. Umgekehrt können sehr selbstbewusst auftretende Personen auf den Zuschauer aggressiv oder arrogant wirken.

PR-Journal: Reichen die richtigen Argumente nicht aus?

Matthias Kirbs: Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. Vor einer Kamera, auch vor einem Mikrofon, geht es weniger um das Was, sondern mehr um das Wie. Der Zuschauer bewertet nicht nur, was der Sprecher sagt, sondern vor allem, wie er es sagt. Dabei ist eine präsente Stimme wichtig, eine klare Sprache, aber ebenso das gesamte Auftreten, die Mimik und die Gestik. Und das sind Dinge, an denen Führungskräfte arbeiten können.

PR-Journal: Wann lassen sich Unternehmenssprecher schulen?

Matthias Kirbs: Manche kommen erst, wenn der Interviewtermin schon kurz bevorsteht und sie Lampenfieber bekommen. Manche auch, wenn sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben oder fanden, dass sie schlecht rübergekommen sind. Es gibt auch Kunden, die es einfach nicht gewöhnt sind, in der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen. Denken Sie beispielsweise an Führungskräfte, die ursprünglich aus dem technischen Bereich kommen. Dort haben sie Top-Leistungen vollbracht, und jetzt erwarten die Geschäftsführer von ihnen dasselbe beim Auftreten vor der Kamera.

PR-Journal: Geben Sie mal ein Beispiel für jemanden, der solche Interview-Situationen besonders gut meistert.

Matthias Kirbs: Bei vielen Politikern oder Managern überträgt sich der gehetzte Tagesablauf bis zu einem gewissen Grad auf ihre Sprechweise. Das überfordert viele Zuschauer. Als positives Gegenbeispiel fällt mir als erstes Altkanzler Helmut Schmidt ein: Er ist immer noch ein großer Könner in der „Kunst der Pause“. Er weiß genau, dass eine Pause an der richtigen Stelle große Wirkung haben kann. Sehr beeindruckend.

PR-Journal: Was machen Sie mit Ihren Kunden? Atem- und Tonübungen?

Matthias Kirbs: Die haben durchaus ihre Berechtigung. Erfahrungsgemäß kommt der Sprecher am besten an, wenn er sich in einer Situation wohlfühlt, Sicherheit ausstrahlt und dem Fragesteller mit einer positiven Einstellung entgegenkommt. Im Grunde geht es also darum, durch Übungen ein echtes „Selbst-Bewusstsein“ – in der umfassendsten Bedeutung des Wortes – zu fördern. Sie sollten ihrer Argumente sicher sein. Und auch der Mittel, um sie angemessen an den Zuschauer zu bringen.

PR-Journal: Ist eine Dialektfärbung ein Nachteil?

Matthias Kirbs: In bestimmten Situationen kann sie sogar ein Vorteil sein. Allerdings bevorzugen es die meisten Firmen, wenn ihr Sprecher oder ihre Sprecherin auch Hochdeutsch beherrscht. Der Dialekt ist dann sozusagen eine Zusatzqualifikation, so etwas wie eine zusätzliche Fremdsprache.


Matthias Kirbs (50), früher Redakteur und Nachrichtensprecher bei verschiedenen Sendern in Norddeutschland, arbeitet seit zwölf Jahren als freier Berater für Stimme und Präsenz in Hamburg.

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